Unser Weg (3)

Wie können wir nun die Wahrheit aus ihrem Gefängnis befreien? Wieder muss ich sagen, durch Liebe. Liebe zu wem? Liebe zu Gott. Und wer ist Gott? Gott ist der höchste, erleuchtetste Teil in uns. Gott ist nichts und niemand anderes. Ich habe einen Kopf und zwei Füße. Sagen wir, mein Kopf verkörpert das Höchste in mir und meine Füße verkörpern das Niederste in mir, meine Unwissenheit. Ich weiss, dass das Höchste und das Niederste beide zu mir gehören. Das Niederste muss in das Höchste eintreten, um verwandelt, befreit und erfüllt zu werden. Das Höchste muss in das Niederste eintreten, um enthüllt und manifestiert zu werden.

Für unseren Weg ist das Gefühl der Identifikation absolut notwendig. Das Höchste muss sein vollkommenes Einssein mit dem Niedersten fühlen. Und das Niederste muss sein vollkommenes Einssein mit dem Höchsten fühlen. Natürlich fühlt das Höchste immer sein Einssein mit dem Niedersten. Aber dem Niedersten fällt es aufgrund seiner Angst, seiner Zweifel, seiner Eifersucht und so weiter außerordentlich schwer, mit dem Höchsten eins zu sein.

Welche Verpflichtungen muss man eingehen, wenn man unserem Weg folgen will? Nicht die Art von Verpflichtungen, die in anderen spirituellen oder kulturellen Organisationen erforderlich sind. Bei diesen Organisationen muss man vielleicht einen regelmäßigen Beitrag bezahlen. Doch wenn ich dich bitte, eine Verpflichtung einzugehen, geht es um etwas anderes. Wenn du etwas in mir siehst, wenn du in mir Licht siehst oder fühlst und dann meinem Weg folgen willst, kannst du das tun. Dafür verlange ich kein Geld. Du brauchst mir keine fünf oder zehn Dollar oder eine andere Summe zu geben. Nein, hier geht es um dein eigenes Streben – wie aufrichtig und regelmäßig du in deinem spirituellen Leben sein kannst. Wenn du nicht aufrichtig bist, wirst du nicht fähig sein, schnell zu laufen. Doch wenn du aufrichtig und gewidmet bist, wirst du sehr schnell laufen. Die Verpflichtung, die ich auf unserem Weg verlange, ist Regelmäßigkeit in deiner Meditation sowie Streben, einen aufrichtigen inneren Schrei. Mehr verlange ich nicht von einem Schüler.

Unser Weg, der Weg des Herzens, ist auch der Weg der Annahme. Wir müssen die Welt annehmen. Wenn wir uns in eine Höhle im Himalaya zurückziehen oder auf dem Gipfel eines Berges sitzen und nach unserer persönlichen Errungenschaft oder Erfüllung schreien, werden wir nichts für die Welt tun. Das würde heißen, dass ich nach Herzenslust esse und meine Geschwister ohne Nahrung verhungern lasse. Das ist nicht gut. Wenn ich ein echter Mensch bin, muss ich dafür Sorge tragen, dass meine Geschwister mit mir essen können. Nur wenn wir gemeinsam essen, werden wir wirkliche Erfüllung erhalten.

Genauso fühlen wahre spirituelle Meister im spirituellen Leben, dass es ihre Pflicht ist, vor der Menschheit zu essen und die spirituelle Nahrung mit der Menschheit zu teilen. Wenn allerdings die Menschheit als Ganzes nicht so essen will, wie sie sollte, wenn viele Menschen noch schlafen und noch keinen spirituellen Hunger haben, was kann der spirituelle Meister da tun? Doch wenn es einige aufrichtig hungrige Sucher gibt, sagt der spirituelle Meister zu ihnen: „Das Mahl ist angerichtet. Lasst uns gemeinsam essen.“

Auf unserem Weg der Annahme müssen wir uns bewusst sein, dass die Erde weit von der Vollkommenheit entfernt ist. Doch wie wollen wir das Erdbewusstsein vervollkommnen, wenn wir es nicht annehmen? Wenn jemand Schmerzen hat, muss ich ihn massieren. Nur dann wird sein Schmerz verschwinden. Und wenn die Erde an einer bestimmten Stelle unvollkommen ist, muss ich sie mit meinem Streben und meiner Anteilnahme berühren. Nur dann kann ich sie verwandeln. So lange das Erdbewusstsein nicht vollkommen verwirklicht ist, werde ich versuchen, auf der Erde zu bleiben, um der Menschheit mit meinem inneren Bewusstsein zu dienen.

Sri Chinmoy, Meister und Schüler

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