Das Ende allen Wissens

Das Ende allen Wissens ist das Gott-Wissen. Dieses Wissen sagt dem Menschen, was er letztlich sein kann. Es sagt dem Menschen, dass er mit Gott bewusst und untrennbar eins sein kann. Das Gott-Wissen lehrt uns, dass Gott nicht nur in uns und für uns ist, sondern auch, dass jeder Mensch von Ihm ist. Schließlich sagt uns das Gott-Wissen, dass jeder Mensch zu Gott werden muss. Der unverwirklichte, unerfüllte Mensch von heute ist der verwirklichte und erfüllte Gott von morgen.

Das Ende des menschlichen Wissens ist der Beginn des göttlichen Wissens. Göttliches Wissen und menschliche Unwissenheit sind die beiden Gegensätze, die wir in unserem täglichen Leben sehen. Göttliches Wissen ist eine erleuchtende, erfüllende und unsterblich machende Kraft. Menschliche Unwissenheit ist ein verrückter Elefant, eine zerstörerische Kraft. Göttliches Wissen ist die Geburt der Unsterblichkeit. Menschliche Unwissenheit ist das Lied des Todes.

Sicher sind den meisten von Ihnen unsere Upanishaden ein Begriff. In der Kanshitaki Upanishade steht unter anderem: „Wir sollten nicht wünschen, die Sprache zu verstehen; wir sollten den Sprechenden erkennen. Wir sollten nicht wünschen, die Tat zu verstehen; wir sollten den Täter erkennen. Wir sollten nicht wünschen den Verstand zu verstehen; wir sollten den Denkenden erkennen.“ Wir sollten also nicht Frieden, Licht, Glückseligkeit und Kraft zu verstehen wünschen, sondern die lebendige Verkörperung des Friedens, des Lichts, der Glückseligkeit und der Kraft erkennen. Derjenige, der sie verkörpert, kann diese göttlichen Eigenschaften in aufrichtigen, strebenden Seelen zum Vorschein bringen. Er hat die Fähigkeit, die Suchenden zu inspirieren; gleichzeitig kann er beträchtlich dabei helfen, das schlummernde Bewusstsein der menschlichen Seelen zu erwecken. Er ist es schließlich, der die Reise des Suchers beschleunigt.

Das Ende aller Erkenntnis ist die Erkenntnis des eigenen Selbsts. „Erkenne dich selbst“ ist ein Ausspruch, mit dem Sie alle wohlvertraut sind. Wie können wir uns selbst erkennen? Indem wir die Hilfe von jemandem annehmen, der sich selbst bereits kennt. Er ist unser Lehrer. Er ist kein Schullehrer, er ist viel eher wie ein Privatlehrer. Ein Schullehrer prüft uns und lässt uns in der Prüfung durchkommen oder durchfallen. Doch ein Privatlehrer hilft uns, die Prüfung zu bestehen. Ein spiritueller Lehrer ist ein Privatlehrer, keine Schullehrer.

In der Bhagavad-Gita, dem himmlischen Gesang, sagt Krishna seinem liebsten Freund und Schüler Arjuna: Nimitta matram bhava savyasachin, „werde zu einem reinen Instrument“. Der Mensch in Gott fühlt im Innersten seines Herzens, dass er nur ein Instrument ist. Er arbeitet für Gott. Er lebt für Gott. Er fühlt, dass Gottverwirklichung nicht genug ist. Er fühlt, dass die Manifestation Gottes hier auf der Erde von größter Wirklichkeit ist.

Viele haben das Höchste, die sich selbst transzendierende Wahrheit verwirklicht. Doch nur wenige flehen nach der Vervollkommnung der Menschheit. Nur sehr wenige versuchen, das Gesicht der Welt zu verändern. Die auserwählten Instrumente Gottes möchten Gott hier auf der Erde manifestieren. Sie kümmern sich nicht so sehr um irdisches ‚gut’ oder ‚böse’. Sie gehen über das so genannte Gute und Böse hinaus. Sie kümmern sich nur um Gottes inneres Gebot. Sie hören ständig auf das Gebot ihres inneren Piloten und anerbieten dann der Menschheit aufgrund ihres untrennbaren Einsseins mit ihrem inneren Piloten ihren selbstlosen, ergebenen Dienst. Sie versuchen, der strebenden Menschheit göttliches Wissen zu vermitteln. Sie sagen der Menschheit auch, Gottverwirklichung sei nicht ihr alleiniges Monopol.

Jeder muss Gott, die sich selbst transzendierende Wahrheit verwirklichen. Jeder ist dazu bestimmt, die höchste Wahrheit zu verwirklichen. Doch derjenige, der nach dem Licht fleht, wird das Ziel natürlich schneller erreichen, als derjenige, der immer noch tief schläft.

Wir müssen jeden Augenblick uns selbst gegenüber aufrichtig sein. Wollen wir Licht? Wollen wir Vollkommenheit? Oder möchten wir aus reiner Neugier ein bisschen Licht, ein bisschen Wahrheit haben? Solange wir nicht aufrichtig zu uns selbst, aufrichtig zu unserer inneren Suche sind, können wir das Gesicht der Wirklichkeit, der Erfüllung und der Vollkommenheit nie, nie sehen.

Wenn wir wirklich das innere Licht wollen, wenn wir wirklich das innere Verlangen haben, Gott von Angesicht zu Angesicht zu sehen, dann kann es nichts geben, weder auf der Erde noch im Himmel, das uns dieses innerste Verlangen, das Verlangen unserer Seele, vorenthalten kann. Jeder Mensch besitzt beschränkte Freiheit. Diese Freiheit kann man entweder dazu benutzen, zu streben oder zu wünschen. Wenn wir wünschen, wird unsere Wissens-Sonne zweifellos von dunklen Wolken verdeckt werden. Wenn wir streben, wird uns Gott als innerer Pilot anleiten, schnell, schneller, am schnellsten zum uns vorausbestimmten Ziel, zum Ziel des Jenseits zu gelangen.

Wenn wir in das spirituelle Leben eintreten, erkennen wir, dass unsere Reise kein Ende hat. Heute glauben wir vielleicht, dies sei das Ziel, wonach wir gefleht haben. Doch wenn wir tief in uns gehen, spüren wir, dass das Ziel von heute der Startpunkt von morgen sein wird.

Gott ist in allem. Wir müssen Gott in allem sehen, Gott in allen und jedem fühlen. Doch dies ist nicht genug: Wir müssen erkennen, dass unsere Erkenntnis kein Ende hat. Jeden Augenblick müssen wir fühlen, dass wir mit unserer höchsten Verwirklichung dem ewig sich selbst transzendierenden Jenseits entgegengehen.

Das Ende allen Wissens ist das Gott-Wissen. Wir müssen Gott sehen; dies ist das letzte Wissen. Man kann Gott auf drei Arten sehen: Wenn wir uns täglich sechs oder sieben Stunden lang auf Gott konzentrieren, können wir Ihn durch ein Fenster sehen. Wenn wir Gott durch eine offene Tür sehen wollen, müssen wir mindestens zwölf Stunden am Tag meditieren. Wenn wir jedoch Gott von Angesicht zu Angesicht sehen möchten, wie Sie mich sehen und wie ich Sie sehe, dann müssen wir vierundzwanzig Stunden am Tag meditieren.

Gott ständig von Angesicht zu Angesicht zu sehen, ist der Beginn und die Blüte des sich selbst transzendierenden Wissens.