Das innere Versprechen

Das innere Versprechen ist der innere Fortschritt eines Suchers. Dieser Fortschritt inspiriert ihn; er schenkt ihm Kraft und hilft ihm, Gott auf Gottes eigene Weise zu gefallen. Äußere Versprechungen geben wir häufig, doch das innere Versprechen geben wir nur einmal oder zweimal während eines ganzen Lebens. Äußere Versprechen geben wir, doch das innere Versprechen halten wir; wir versuchen es in unserem Leben zu verwirklichen und es schließlich auf der Erde zu manifestieren.

Äußere Versprechen geben wir der Unwissenheit, der übermächtigen Unwissenheit. Das innere Versprechen geben wir Gott. In unserem äußeren Versprechen verpflichten wir uns, die Welt bewusst oder unbewusst zu quälen oder gar zu zerstören. Das Gesicht der Welt zu ändern und die Welt mit dem göttlichen Willen zu erfüllen – dies ist unser inneres Versprechen, das wir Gott gegeben haben. Auf dem Weg zu diesem inneren Versprechen gibt es drei bedeutsame Schritte:
Gott muss gesehen werden.
Gott muss gefühlt werden.

Gott muss verwirklicht werden.

Um Gott zu sehen, müssen wir uns von den Fesseln der Dunkelheit und der Unwissenheit fernhalten. Um Gott zu fühlen, müssen wir im Bereich des Strebens – der aufsteigenden Flamme in uns – leben. Um Gott zu verwirklichen, müssen wir in die göttliche, ständige und höchste Selbsthingabe hineinwachsen.

Nachdem wir die Gott-Verwirklichung erreicht haben, gibt es zwei weitere äußerst bedeutende Versprechen, die wir machen müssen. Die Versprechen sind Gott-Enthüllung und Gott-Manifestation.

Gott-Enthüllung ist das Versprechen, das gottverwirklichte Seelen aufgrund ihrer bedingungslosen Anteilnahme für die leidende Menschheit geben. Gott-Manifestation ist das bedingungslose Versprechen der gottverwirklichten Seelen, die Menschheit bedingungslos zu lieben und die Wirklichkeit der Göttlichkeit hier auf der Erde zu manifestieren.

Im spirituellen Leben geben viele Sucher ein inneres Versprechen und gehen eine innere Verpflichtung ein. Sie sagen, sie würden ins spirituelle Leben eintreten und dem Leben der Reinheit, dem Leben der Strebsamkeit und dem Leben der Verwirklichung größte Wichtigkeit beimessen; aber leider können sie ihr Versprechen nicht halten. Gottes grenzenloses Mitleid jedoch verlässt sie nie. Mit Seinem diamantenen Willen und Seiner Schau des ewig sich transzendierenden Jenseits sieht Gott, dass diese Sucher früher oder später auf den richtigen Pfad kommen und zum vorausbestimmten Ziel gehen, marschieren und laufen werden.

Es gibt aber auch gewisse fortgeschrittene Sucher, die in ihrem inneren Leben beträchtlichen Fortschritt gemacht und die ihrem eigenen inneren Wesen und Gott ein Versprechen gegeben haben, dass sie ihre spirituelle Suche oder Reise nicht aufgeben werden, bis sie Gott verwirklicht haben. Gottverwirklichung ist ihr einziges Ziel. Doch zu ihrem großen Unglück wollen sie nicht mehr weitergehen, nachdem sie gewisse höhere Erfahrungen gemacht haben. Sie haben das Gefühl, diese bereits erworbenen Erfahrungen seien zumindest für dieses Leben mehr als genug. Und so wollen sie nicht mehr weitergehen. Gott-Verwirklichung brauchen oder wollen sie an diesem Punkt nicht; somit bleibt Gott-Verwirklichung für sie ein Wunschtraum.
Doch Gott weiß, dass diese Sucher mit größter Aufrichtigkeit begonnen und beträchtlichen Fortschritt gemacht haben, auch wenn sie jetzt nicht mehr ihr vorausbestimmtes Ziel erreichen wollen und sich nicht mehr um die fernsten Gestade des goldenen Ufers kümmern.

So betrachtet Gott in Seinem grenzenlosen Mitleid die Situation abermals und sagt den Suchern: „Seht, ihr werdet nie erfüllt sein. Ihr werdet das Gesicht der Erfüllung nie sehen, bis ihr das goldene Jenseits gesehen habt. Ihr habt euer Versprechen nicht gehalten. Doch Mein Versprechen an euch ist bedingungslos. Ich werde auf euch warten. Ich werde euch zu Meiner auserwählten Stunde zum vorausbestimmten Ufer des goldenen Alls führen und tragen. Wenn ihr nicht schnell, schneller, am schnellsten laufen wollt, ist das eure Sache; doch ihr müsst wissen, dass niemand hier auf der Erde unverwirklicht und unerfüllt bleiben kann.“

Jeder Einzelne muss die höchste Wahrheit verwirklichen, doch derjenige, der danach strebt, wird das Ziel natürlich schneller erreichen als andere, die sich immer noch in der Welt des Schlafes befinden. Jeder hier auf der Erde hat etwas zu bieten – Frieden, Licht, Glückseligkeit, Aufrichtigkeit, Einfachheit. Es gibt niemanden auf der Erde, der nicht in der Lage wäre, anderen Menschen zu helfen. Diese Hilfe, dieser Dienst – wenn ich diesen Ausdruck „Dienst“ gebrauchen darf – kann jeder Einzelne hier auf der Erde leisten.

Wenn jemand das Gefühl hat, er sei aufrichtiger als jemand anders, dann soll er doch seine Aufrichtigkeit mit anderen Menschen teilen. Wenn jemand das Gefühl hat, er sei rein, reiner als jemand anders, reiner als seine Nachbarn und Freunde, dann soll er doch seine Reinheit mit den anderen teilen. Wenn jemand das Gefühl hat, er habe Strebsamkeit, mehr Strebsamkeit als eine Freunde oder Nachbarn, dann soll er dies doch mit den anderen teilen.
Das ist das Versprechen, das wir Gott jeden Augenblick geben können.

Wir werden dann erkennen, dass die Seele jedes Mal, wenn sie in das Feld der Schöpfung und Manifestation eintritt, Gott dem höchsten Piloten ein feierliches Versprechen gibt, ihr Bestes zu versuchen, um Gott hier auf der Erde zu enthüllen. Doch wenn die Seele in die Welt eintritt, versucht das Unwissenheits-Meer, die Seele zu bedecken, und dann erhalten der Körper, die Lebenskraft, der Verstand und das Herz bewusst oder unbewusst Vergnügen an der Identifikation mit dem Unwissenheits-Meer. Doch die Seele ist reine Vergebung. Sie wirft den Körper, die Lebenskraft, den Verstand und das Herz nicht beiseite. Sie hat grenzenlose Geduld. Wenn dieser Körper, diese Lebenskraft, dieser Verstand und dieses Herz mit der Seele eins werden und die Wahrheit mit den Augen der Seele sehen wollen und das ihr inneres und einziges Versprechen ist, dass ist der Zeitpunkt der Gott-Verwirklichung, der Gott-Enthüllung und der Gott-Manifestation auf der Erde nicht mehr sehr weit entfernt.

Jeder Einzelne kann sich selbst und der Menschheit als ganzer ein feierliches Versprechen ablegen: Das Versprechen, ergeben zu dienen. Und wenn er sein inneres Versprechen erfüllt, erfüllt Gott Sein höchstes Versprechen der absoluten Vollkommenheit in und durch den strebenden Menschen.