Selbst-Transzendenz

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Sucher nach der Transzendentalen Wahrheit, ich möchte einen kurzen Vortrag über Selbst-Transzendenz halten.

Wir sind alle Sucher, die unsere gegenwärtige Wirklichkeit transzendieren wollen. Warum wollen wir transzendieren? Wir wollen transzendieren, weil das Leben der Unwissenheit, des Verhaftetseins, der Unvollkommenheit und des Todes uns nicht zufrieden stellen kann. Wir wollen etwas erlangen. Wir wollen in etwas wachsen, das ewig ist; wir wollen in das exakte Ebenbild der Unsterblichkeit wachsen.

Unmittelbar vor uns gibt es zwei Welten: die Welt der Begierde und die Welt der Strebsamkeit. Wenn unser Leben der Begierden-Welt gehört, fühlen wir, dass die Zufriedenheit immer in weiter Ferne liegt. Wenn unser Leben der Strebsamkeits-Welt gehört, fühlen wir, dass Zufriedenheit unser Geburtsrecht ist. Das Leben der Begierde ist ein Leben selbsterwählter Gebundenheit. Das Leben der Strebsamkeit ist ein Leben Gott-erwählter Transzendenz.

In unserem Leben der Selbst-Transzendenz gehen wir vom Niederen zum Höheren. Das Niedere wird in das Höhere verwandelt, das weniger vollkommene wird zu etwas vollkommenerem verwandelt. Das, was abzulehnen ist, lehnen wir ab; das, was verwandelt werden muss, verwandeln wir; das, was transzendiert werden muss, transzendieren wir. Dieser Prozess der Transzendenz ist jenseits der Denkweise des mentalen Menschen. Er findet seine Existenz in der Selbst-Hingabe des psychischen Menschen. Der psychische Mensch wird gänzlich ein Teil der Realität, indem er sich mit der Realität selbst identifiziert.

In unserem gewöhnlichen Leben haben wir ständig mit Möglichkeiten zu tun und am Ende unserer Bemühungen treffen wir auf Erfolg oder Misserfolg. Im spirituellen Leben jedoch gibt es weder Erfolg noch Misserfolg; wir kümmern uns nur um den Fortschritt. Auf diese Weise wird Möglichkeit zu einer Unausweichlichkeit.

In dem Augenblick, in dem ein Sucher der Höchsten Wahrheit in das spirituelle Leben eintritt, fühlt er, dass er das Leben der bewussten Unreinheit und Dunkelheit transzendiert hat. Er hat das Begierde-Leben transzendiert; jetzt lebt er ein Leben der Strebsamkeit. In jedem Augenblick hat er die goldene Gelegenheit, hoch, höher, am höchsten zu gehen, wenn sein emporsteigender Schrei intensiv ist. Jedesmal, wenn unsere Strebsamkeit, unser innerer Schrei, den höchsten Gipfel berührt, erhält er neue Nahrung. Das Ziel, das es berührt, braucht und kann nicht das letzte Ziel zu sein, denn das Ziel von heute ist der Ausgangspunkt von morgen. Unsere Verwirklichung kennt kein Ende. Unsere Selbst-Transzendenz hat kein Ende. Unsere Strebsamkeit steigt empor, unsere Verwirklichung transzendiert, unsere Zufriedenheit dämmert, und am Ende lächelt Gott. Mit unserem inneren Schrei steigen wir hinauf zu Gottes herabsteigendem Lächeln. Wenn wir unseren inneren Schrei nähren, und wenn wir zu unserem inneren Schrei werden, dann beginnt unser Lied der Verwirklichung und der Transzendenz.

Zwei Dinge sind von überragender Wichtigkeit, wenn wir etwas transzendieren: unsere persönliche Anstrengung und Gottes Gnade. Mit persönlicher Bemühung allein können wir uns nicht transzendieren. Gottes Gnade wiederum beginnt erst zu wirken, wenn wir empfänglich sind. Nur wenn wir Gottes Gnade empfangen können und sie rechtmäßig gebrauchen, erreichen wir das Höchste. Ein aufrichtiger Sucher transzendiert seine einstige Wirklichkeit in jedem Augenblick. Wenn er transzendiert, lehnt er nichts ab. Ein aufrichtiger Sucher nimmt die Welt völlig als sein eigen an. Wie ein Töpfer, der den Lehm nimmt und etwas Schönes daraus formt, nimmt ein spiritueller Sucher das Leben der Unwissenheit an und versucht, es mit seinem inneren Weisheits-Licht umzuwandeln.

In unserer tiefsten Philosophie betrachten wir vergangene Errungenschaften als wertlos. Wir sagen, Vergangenheit ist Staub. Die Vergangenheit hat uns gegeben, was sie anzubieten hat, aber sie hat uns nicht das gegeben, was wir brauchen: Befreiung, Verwirklichung, Rettung und Vollkommenheit. Wir müssen also heute, in der unmittelbaren Gegenwart, in das spirituelle Leben wachsen. Da die meisten von uns Anfänger im spirituellen Leben sind, versuchen wir, fünf Minuten, zehn Minuten, eine halbe Stunde oder eine ganze Stunde am Tag zu meditieren, um so unser bestmögliches Bewusstsein stets aufrechtzuerhalten. Wenn wir eine Stunde am Tag meditieren können, versuchen wir, die positive Wirkung dieser Meditation auf den ganzen Tag auszudehnen. Sobald ein Kind einen Ball wirft, dreht sich dieser durch seine Eigenbewegung und er legt eine beträchtliche Entfernung zurück. Ebenso projizieren unser seelenvolles Gebet und unsere Meditation - selbst wenn wir nur eine halbe Stunde lang beten und meditieren - unser strebendes Bewusstsein mitten in den Tag hinein und sie treten so Stunde um Stunde in unsere alltäglichen Aktivitäten ein.

So wie wir in der Begierden-Welt wachsen und uns ausdehnen wollen, so wollen wir auch im spirituellen Leben wachsen und uns ausdehnen. Am Anfang wollen wir ein bisschen Licht, dann wollen wir mehr Licht und schließlich unendliches Licht. Aber es gibt einen großen Unterschied zwischen der Ausdehnung unserer irdischen Wünsche und der Ausdehnung unserer göttlichen Strebsamkeit. Wenn wir im Besitz des sterblichen Lebens, des Wunschlebens sind, stellt uns das nicht wirklich zufrieden. Sogar wenn unsere Wünsche erfüllt werden, entdecken wir, dass wir neue Wünsche haben und dass wir keine bleibende Zufriedenheit erhalten. Wir haben stets den gleichen Hunger, den gleichen unstillbaren, nicht erfüllten Hunger. Wenn wir jedoch im spirituellen Leben auch nur einen Funken von Frieden, Licht und Glückseligkeit erhalten, schenkt uns dieser Funke ein Gefühl von Zufriedenheit - auch wenn unser letztendliches Ziel ist, diese Dinge in unendlichem Masse zu erhalten. Und auf lange Sicht erlangen wir - zu Gottes auserwählten Stunde - Frieden, Licht und Wonne in unendlichem Maße. Jedes Mal, wenn wir göttlich zufrieden und erfüllt sind, transzendieren wir unsere erdgebundene Wirklichkeit und treten in die Himmels-freie Wirklichkeit ein.

Das Motto dieses Staates ist "Landwirtschaft und Handel." Der spirituelle Sucher ist ein Bauer. Er bestellt sein Herz hier in dieser Welt und empfängt die göttliche Gnade von oben wie einen Regenschauer. Wenn der Sucher auf den Inneren Piloten gerichtete Hingabe entwickelt, fährt er eine reiche Verwirklichungs-Ernte ein. Es ist wie der Austausch von natürlichen Fähigkeiten. Der Sucher identifiziert sich mit dem Bewusstsein der Erde und durch Hingabe vergrößert er seine Empfänglichkeit. Und gleichzeitig ruft er das transzendentale Bewusstsein von oben an. Wenn das Erdbewusstsein und das Transzendentale Bewusstsein aufeinandertreffen, wenn sich die Hingabe der Erde mit der Gnade des Himmels vereint, dann dämmert im Strebsamkeits-Leben des Suchers die Verwirklichung. Es gibt einen Königsweg, der zur Selbst-Transzendenz führt. Dieser Weg ist unsere Hingabe, unsere bewusste, bedingungslose Hingabe an den Willen des Allerhöchsten.