Der Schrei und das Lächeln

Ich möchte einen kurzen Vortrag über den Schrei und das Lächeln halten: über den äußeren Schrei und den inneren Schrei, über das äußere Lächeln und das innere Lächeln.

Der äußere Schrei ist ein Schrei nach Ruhm und Anerkennung. Der innere Schrei ist ein Schrei nach Wahrheit und Licht.

Wenn wir die Straße der Wahrheit und des Lichts entlanggehen, wird die Vollkommenheit zu unserem Freund und Vollkommenheit führt zur Zufriedenheit. Aber dort endet unsere Reise nicht; im Gegenteil, dort beginnt eine neue, einzigartige Reise. Denn diese Zufriedenheit ist nichts anderes als eine sich ewig-transzendierende Wirklichkeit. Jedes Mal, wenn wir erfüllt sind, inspiriert uns eine neue Wirklichkeit dazu, über uns selbst hinauszuwachsen.

Der äußere Schrei lebt in der äußeren Welt. Durch unseren äußeren Schrei wollen wir die Welt besitzen, sie in unsere Herrschaft und Gewalt bringen, damit wir sie auf unsere eigene Weise gebrauchen können. Wir wollen die äußere Welt besitzen, eben weil sie nicht in uns ist. Wir haben das Gefühl, dass alles, was nicht in uns ist, uns nicht gehört.

Der innere Schrei lebt in der Welt der Strebsamkeit. Strebsamkeit schenkt uns letztendlich Befreiung. Verwirklichung heißt Einssein mit dem Unendlichen. Als individuelle Sucher werden wir untrennbar eins mit dem Unendlichen, sobald wir unser transzendentales Selbst verwirklichen. In unserer transzendentalen Wirklichkeit sehen wir den Schrei und das Lächeln der ganzen Welt.

Das äußere Lächeln ist ein lächelndes Gesicht. Sehr oft tröstet uns ein äußeres Lächeln, obwohl es uns nicht immer ermutigt und erleuchtet. Mitunter stellen wir fest, dass hinter dem äußeren Lächeln ein Motiv steckt. Das äußere Lächeln verlangt bisweilen nach einer Gegenleistung; wir lächeln und wir möchten, dass die Welt uns ebenfalls anlächelt.

Das innere Lächeln ist das Lächeln des Herzens. Dieses Lächeln inspiriert den Sucher und hebt dessen Bewusstsein. Wenn sich das innere Lächeln durch das äußere Lächeln manifestiert, anerbietet das äußere Leben dem inneren Leben Sicherheit. Das äußere Leben sagt zum inneren Leben, "Es tut mir leid, dass ich mich solange von dir ferngehalten habe. Von jetzt ab werde ich untrennbar eins mit dir werden. Ich werde dir auf jede erdenkliche Weise helfen. Mehr noch, ich werde dir auf deine eigene Weise gefallen und dich erfüllen. Ich werde dich auf deine eigene Weise erfüllen, weil ich weiß, dass deine Weise und Gottes Weise vollkommen eins sind. "

Das menschliche Leben selbst ist ein Schrei von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. In dem Augenblick, in dem ein Kind geboren wird, anerbietet es der Mutter Erde seinen Schrei. Wenn der Mensch in die Ewigkeit hinübergeht, anerbietet er der Mutter Erde ebenfalls einen Schrei. Äußerlich betrachtet schreit das Kind, weil ihm die Welt fremd ist. Die Welt ist für das neugeborene Baby wie ein Fremder; daher anerbietet es einen Schrei. Das ist eine menschliche, äußere Erklärung der Wirklichkeit, die wir sehen.

Es gibt aber auch eine innere, esoterische Erklärung für diesen Schrei. Wenn die Seele mit einem menschlichen Körper in die Welt der Manifestation eintritt, bringt sie durch ihren Schrei der Mutter Erde ihre Dankbarkeit dar. Die Seele tritt in die Weltarena ein und anerbietet der Mutter Erde ihre Dankbarkeit dafür, dass sie sie annimmt. Am Ende ihrer Reise anerbietet eben diese Seele der Mutter Erde wiederum durch den physischen Schrei ihre Dankbarkeit, weil der physische Körper durch Mutter Erde die Gelegenheit erhalten hat, Wahrheit und Licht auf der Erde zu verwirklichen, zu enthüllen und manifestieren.

Das Menschenkind schreit nach der Milch der Mutter. Dieses Menschenkind jedoch wird aufgrund intensiver Strebsamkeit zu einem göttlichen Kind. Wenn es zu einem göttlichen Kind wird, betet es zu der Universellen Mutter, zum Höchsten Absoluten, ihm Nektar, Glückseligkeit und Unsterblichkeit zu gewähren. In seiner menschlichen Existenz schreit es nach der Milch, die die menschliche Existenz nährt. In seiner göttlichen Existenz schreit es nach etwas Göttlichem und Unsterblichem.

Der menschliche und der göttliche Schrei gehen bisweilen Hand in Hand. Der menschliche Schrei in der physischen Welt und das göttliche Lächeln in der vitalen Welt gehen bisweilen Hand in Hand. Wenn ein naher Angehöriger stirbt, weinen wir. Wenn wir weinen, lächelt die uns nahestehende Seele in der vitalen Welt. In der vitalen Welt erhalten die Seelen, die uns zugetan sind und die in enger Verbindung mit der Welt stehen, immense Freude, wenn wir um sie weinen, und diese Freude bringen sie mit ihrem Lächeln zum Ausdruck. Sobald aber diese Seelen in den inneren Welten sind, die der vitalen Welt weit überlegen ist, wenn sie also in der intuitiven oder in der Seelen-Welt sind, dann betrachten sie nur den Fortschritt der Menschen auf der Erde. Wenn sie sehen, dass ihre Angehörigen auf der Erde alles manifestiert haben, was sie manifestieren sollten, bevor sie ihren Körper verlassen, dann sind sie glücklich. Wenn nicht, dann sind sie traurig und sie bedauern ihre Angehörigen.

Die Seelen, die sich in der Seelen-Welt befinden, gehorchen stets dem Willen des Höchsten. Manchmal duldet der Wille des Höchsten einiges, manchmal billigt er einiges, und manchmal macht er es sich zur Aufgabe, dafür zu sorgen, dass bestimmte Dinge auf der Erde geschehen. Wenn die Seele mit dem Vitalen Umgang hat - besonders mit dem niedrigeren Vitalen - verliert sie für bestimmte Zeit ihre ursprüngliche Göttlichkeit und sie gehorcht dem Willen des Höchsten nicht immer. Niemals aber verliert sie die ihr innewohnende Göttlichkeit, die ewig unsterblich ist. Die Seelen, die einen kleinen Teil ihrer universellen Wirklichkeit und ihrer Göttlichkeit verlieren, werden eins mit der Unwissenheit und werden zu einem erbärmlichen Schrei. Die Seelen hingegen, die sowohl hier, als auch im Jenseits dem niederen Vitalen fernbleiben, und sich stets jenseits der vitalen Welt befinden, sind stets in vollkommenem Frieden und in vollkommener Glückseligkeit. Dennoch haben nicht nur gewöhnliche Menschen diesen Schrei und dieses Lächeln, auch die spirituellen Meister ersten Ranges bringen der Menschheit ihren Schrei und ihr Lächeln dar.

Hier im Westen ist Christus der Erlöser. Christus hat nach der Erlösung der Menschheit von der Sünde geschrien. Und Sünde ist nichts anderes als begrenztes Bewusstsein, das wir leider unser eigen nennen. Dennoch hat uns Christus in seiner unendlichen Güte sein strahlendstes Lächeln geschenkt, als Er sagte, "Dein Wille geschehe." Als das Menschliche in Christus eins wurde mit unserem Schrei, sagte er, "Vater, was habe ich getan? Warum hast du mich verlassen?" Als Christus schließlich eins wurde mit mit seiner eigenen Göttlichkeit, seiner eigenen transzendentalen Wirklichkeit, schenkte er der gesamten Welt seine höchste Weisheit, sein Lächeln: "Ich und mein Vater sind eins."

Im Osten erinnern wir uns daran, wie Buddha vor seiner Erleuchtung um einen kleinen Vogel weinte. Sein Herz blutete buchstäblich, weil er das Leben des Vogels retten wollte; und er hat den Vogel gerettet. Zu einem späteren Zeitpunkt dann hat Buddha nach der Erleuchtung der Menschheit geschrien. Er sagte der Menschheit zwei zutiefst erhabene Dinge. Erst sagte er, "Diese Welt ist vergänglich. Wenn du hier bleibende Erfüllung erwartest, dann wirst du enttäuscht werden." Die zweite Botschaft, die er der gesamten Welt darbrachte, war folgende: "Entdecke das Licht in dir. Sei dir selbst das Licht."

Christus lehrte uns, wie wir uns von dem Sünden-Bewusstsein befreien können. Buddha lehrte uns, wie wir uns von der Unwissenheit und dem Bewusstsein der Gebundenheit befreien können. Christus lehrte uns aus seinem unendlichen Mitleid heraus die Botschaft der Erlösung; und Buddha lehrte uns aus seinem unendlichen Mitleid heraus die Botschaft der Befreiung. Wenn wir Erlösung erlangen, wird alles in uns, was niedriger ist als die höchste Wirklichkeit, eins mit der höchsten Wirklichkeit. Wenn wir Befreiung erlangen, wird alles in uns, das begrenzt ist, alles, das uns begrenzt und bindet, vollständig befreit, erleuchtet, vollkommen und erfüllt.

Strebsamkeit ist der innere Schrei; Strebsamkeit ist auch das äußere Lächeln. Wenn wir danach streben, die höchste Höhe zu erreichen, ist das, was wir verkörpern, ein innerer Schrei. Wenn wir herabkommen, um Gott in jedem Menschen zu dienen, verkörpern wir das äußere Lächeln. Alles menschliche Leben besteht aus einem Schrei und einem Lächeln. Der Schrei gibt uns Kraft, das äußere Lächeln beschleunigt unsere Reise. Deshalb sind der Schrei und das Lächeln von überragender Wichtigkeit.

Gottes Vision ist der innere Schrei, Seine unendliche Göttlichkeit zu manifestieren. Gottes Wirklichkeit ist das innere Lächeln, das im strebenden Bewusstsein der Menschheit wächst und glüht. Solange es Gott und den Menschen gibt, wird der Mensch auf seine eigene menschliche Weise zu Gott um Erfüllung schreien und Gott wird auf Seine göttliche Weise in und durch den Menschen nach Erfüllung schreien. Der Mensch wird zu Gott schreien , ihm die Fähigkeit zu gewähren, die Welt zu binden; Gott wird danach schreien, dass der Mensch sich selbst und andere befreit. Wenn jemand voller Wünsche ist, wird die Zeit kommen, wenn diese Person zu streben beginnt. Dann sagt er zu Gott, " O Höchster Herr, Ich werde nur dann zufrieden sein, wenn ich Dir auf Deine eigene Weise gefalle." Gott und der Sucher lächeln beide. Das Erdbewusstsein nimmt das göttliche Bewusstsein an und das göttliche Bewusstsein nimmt das Erdbewusstsein an um der transzendentalen Erfüllung der Wirklichkeit willen.