Das Geheimnis der Freude

Liebe Sucher, liebe Brüder und Schwestern, heute werde ich über das Geheimnis der Freude sprechen. Es gibt niemanden hier auf Erden, der nicht Freude will. Es gibt niemanden auf Erden, der nicht Freude braucht. Aber es gibt nur sehr, sehr wenige, die das Geheimnis der Freude kennen.

Das Geheimnis der Freude liegt nicht im Begierde-Leben; das Geheimnis der Freude liegt im Strebsamkeits-Leben. Das Leben der Strebsamkeit erleuchtet und befreit uns. Das Begierde-Leben lässt uns fühlen, dass wir alle Bettler sind. Das Strebsamkeits-Leben lässt uns fühlen, dass wir alle erhabene Kinder Gottes sind. Das Begierde-Leben ist ein Leben der Genusssucht. Ein Leben der Genusssucht kann niemals ein Leben der Freude sein, weil auf Genusssucht Frustration folgt und auf Frustration folgt Zerstürung. Auf Freude jedoch folgt tiefere Freude, auf tiefere Freude folgt tiefste Freude und auf tiefste Freude folgt grenzenlose Freude.

Im spirituellen Leben können wir nur dann Freude empfinden, wenn wir uns Gottes Willen hingeben. Vor zweitausend Jahren hat uns Christus der Erlöser eine erhabene Botschaft gelehrt: "Dein Wille geschehe." Es kann kein höheres und tieferes Geheimnis geben als dieses. Wenn wir grenzenlose Freude empfinden wollen, dann ist das das Geheimnis. Solange ich mich im Endlichen befinde, ist auch meine Freude begrenzt. Ich kann nur dann unbegrenzte Freude empfinden, wenn ich in die Unendlichkeit eintrete. Wieviel Freude kann in einem Wassertropfen enthalten sein? Wenn aber dieser Tropfen in den mächtigen Ozean eintritt und untrennbar eins wird mit dem mächtigen Ozean, dann wird die in ihm enthaltene Freude grenzenlos werden.

Wir erhalten Freude durch Selbstbeherrschung. Um Selbstbeherrschung zu erlangen, müssen wir unser Leben disziplinieren. Durch ein diszipliniertes Leben erlangen wir Selbst-Meisterung. Von der Selbst-Meisterung erhalten wir die Botschaft der Selbst-Entdeckung. Selbst-Entdeckung und Gott-Entdeckung sind ein und dasselbe. Wenn wir Gott verwirklichen, wird unser inneres Bewusstsein von Licht und Wonne durchflutet. Dann erfahren wir unendliche Freude, unendlichen Frieden und unendliches Licht.

Es gibt verschiedene Wege, Freude zu erhalten, aber der einfachste und wirkungsvollste Weg ist die Liebe. Das Kind ist überglücklich, wenn die Mutter ihr Kind liebt. Aber die Mutter lebt nur siebzig oder achtzig Jahre lang auf der Erde und dann stirbt sie. Ihr erwachsen gewordener Sohn erhält keine Freude mehr von seiner Mutter, weil sie nicht mehr auf der Erde ist. Er hat dreissig oder vierzig Jahre lang Freude in Form von Liebe von seiner Mutter erhalten. Diese Freude nennen wir endliche Freude. Aber wenn wir Gott, den Inneren Piloten, der ewig ist, lieben, dann wird unsere Freude von Dauer sein und ewig währen. Ich sage nicht, dass wir der Mutterliebe keine Bedeutung beimessen sollen. Wir können in die unendliche Freude eintreten, ohne die endliche Freude zu vernachlässigen.

In unserem Leben der Freude ist Dienen ebenso wichtig wie die Liebe. Wenn wir Gott in der Menschheit dienen, können wir glücklich werden. Wenn wir jenen dienen, die unsere Hilfe brauchen, dann können wir glücklich werden. Immer, wenn wir dienen, dehnen wir unser Bewusstsein aus und wahre Freude wächst in der Ausdehnung unseres Bewusstseins. Dienen heißt, vom Einen zur Vielheit zu gehen und von der Vielheit zum Unendlichen zu gehen. Zuerst esse ich und bediene mich selbst. Dann gebe ich meinen nahen Angehörigen zu essen. Und dann versuche ich, der gesamten Menschheit zu essen zu geben. Je mehr Suchern ich diene und je mehr ich diene, umso mehr wächst auch meine Freude.

In unserem spirituellen Leben ist Freiheit etwas, das überaus bedeutsam ist. Freiheit wovon? Freiheit von Falschheit, Dunkelheit und Unwissenheit. Jeden Tag schenkt Gott uns Freiheit. Wir müssen von dieser Freiheit Gebrauch machen. Mit dieser Freiheit brauchen wir nicht zu den Menschen um irdische Dinge zu beten. Wir können leicht einzig und allein zu unserem Höchsten Herrn beten, der unser Befreier ist. Aber wir brauchen Inspiration, um zu Gott zu beten, auf Gott zu meditieren und Ihn zu lieben. Diese Inspiration können wir von einer Blume, von einer Flamme, vom Himmel, von den Bergen, vom Meer, vom Mond, von den Sternen oder von der Sonne erhalten. Wir können auf eine Blume oder eine Kerzenflamme schauen, um Inspiration zu erhalten, aber wir müssen wissen, dass weder die Blume noch die Kerze Gott verwirklicht hat. Wenn wir auf das Bild eines Meisters meditieren, dann ist die Inspiration, die wir erhalten, stärker als die Inspiration, die wir von einer Blume oder von einer Kerzenflamme erhalten. Wenn wir auf ein Bild von Christus, von Sri Krishna, von Buddha oder einem anderen spirituellen Meister, an den wir glauben, meditieren, dann werden wir natürlich unendlich mehr Freude erhalten, als wenn wir auf eine Blume oder eine Kerzenflamme meditieren.

Hier auf der Erde nehmen uns das Tierische, das Menschliche und das Göttliche gefangen. Wenn uns das Tierische in uns gefangen nimmt, kämpfen wir vehement, um uns zu befreien. Was ist das Tierische in uns? Zweifel, Eifersucht und Aggression. Wenn uns das Menschliche in uns gefangen nimmt, dann zwingt es uns dazu, dass wir uns nur mit kleinen, unbedeutenden Dingen zufrieden geben. Es zwingt uns dazu, in einer winzigen Höhle zu leben. Es sagt uns, dass wir das Unendliche nicht verwirklichen können. Das Göttliche in uns fängt uns höchst liebevoll ein. Der Supreme hält Sein göttliches Kind überaus liebevoll und sagt zu ihm, dass Er in und durch es träumt. Er will, dass Sein Kind erwachsen wird und eines Tages genauso gross wird wie Er.

Es gibt in unserem täglichen praktischen Leben einen Weg, wie wir Freude erhalten können. Wenn wir ein einfaches Leben führen und auf direktem Weg auf unser Ziel zugehen, wenn wir den sonnenerleuchteten Pfad entlanggehen, dann können wir Freude erfahren. Ein einfaches Leben ist ein glückliches Leben. Ein direkter Weg ist der Weg der Freude. Ein sonnenerleuchteter Pfad ist der Pfad unaufhörlicher Freude.

Wir erhalten keine Freude, weil die Welt voller Chaos ist. Wer hat dieses Chaos verursacht? Du und ich. Wir sind die Schuldigen. Wenn unser Körper tief und fest schläft, schaffen wir Chaos. Wenn unser Vitales andere schlägt, schaffen wir Chaos. Wenn unser Verstand an anderen zweifelt, schaffen wir Chaos. Wenn wir jedoch unseren Körper dazu gebrauchen, Gott im Menschen zu dienen, wenn wir unser Vitales dazu gebrauchen, andere zu inspirieren, wenn wir unseren Verstand dazu gebrauchen, andere zu erleuchten, dann erhalten wir zweifellos Freude.

Wir haben Gott unzählige Versprechen gegeben. Jeden Tag sagen wir zu Gott, wir würden dies für Ihn tun, wir würden jenes für Ihn tun, aber niemals halten wir das, was wir versprechen. Gott hat uns nur ein Versprechen gegeben, das Versprechen, dass Er uns Seine Freude schenken wird. Er will uns Seine Freude in unendlichem Masse schenken, aber wenn Er sie uns geben will, empfangen wir sie nicht. Gott ist wie die Sonne, eine innere Sonne; Er ist ganz Licht. Wenn wir unsere Türen und Fenster geschlossen halten, dann kann das Sonnenlicht nicht eintreten. Ebenso wenig kann Gottes Freude in uns eintreten, wenn wir die Türe unseres Herzens geschlossen halten. Wenn wir jedoch unsere Herzenstüre offen halten, dann erhalten wir von Gott, der inneren Sonne, Licht und Erleuchtung.

Wir haben drei besondere Kammern in uns: die Kammer der Seele, die Kammer des Herzens und die Kammer des Verstandes. Es gibt noch zwei weitere Kammern: die Kammer des Vitalen und die Kammer des Körpers, aber die meiste Zeit halten wir die Türen zu diesen beiden Kammern verschlossen. Wenn wir in der Kammer der Seele leben, sehen wir, dass es für den Tod keinen Platz gibt. Wenn es für den Tod keinen Platz gibt, werden wir natürlich überglücklich sein. Wenn wir in der Herzenskammer leben, sehen wir, dass es den Tod bisweilen gibt. Natürlich sind wir dann nicht so glücklich, als wenn wir in der Kammer der Seele leben. In dem Augenblick, in dem sich unser Herz mit dem göttlichen Licht identifiziert, kann es natürlich keinen Tod geben: wenn sich unser Herz hingegen im nächsten Augenblick mit der Unwissenheit der Welt identifiziert, gibt es überall nur Depression, Frustration, Zerstörung und Tod. In der Verstandes-Kammer ist nicht nur Platz für den Tod, man bittet ihn sogar herbei, damit er sich selbst einen Platz aussuche. Der Tod kommt herein und setzt sich entweder auf seinen eigenen Platz oder er belegt nach Gutdünken irgendeinen anderen Platz. Daher kann in der Verstandeskammer keine Freude herrschen. Wenn wir in der Verstandes-Kammer sind, müssen wir beten, um in die Herzens-Kammer eintreten zu können. Wenn wir in der Herzens-Kammer sind, müssen wir beten und meditieren, um in die Kammer der Seele eintreten zu können. Nur in der Kammer der Seele werden wir unendliche Freude, unendliche Zufriedenheit und unendliche Vollkommenheit finden.