Verhaftetsein und Nicht-Verhaftetsein

Verhaftetsein und Nicht-Verhaftetsein.
Nicht-Verhaftetsein und Verhaftetsein.
Vom Körper erhalten wir die Botschaft des Verhaftetseins.
Von der Seele erhalten wir die Botschaft des Nicht-Verhaftetseins.

Der Körper ist begrenzt; deshalb will uns der Körper binden und begrenzen. Er will unsere äußeren Fähigkeiten und unsere inneren Möglichkeiten binden und begrenzen.
Die Seele ist in ihren Möglichkeiten und Fähigkeiten grenzenlos und endlos. Deshalb will uns die Seele vom Sumpf der Unwissenheit befreien und uns von der Nacht der Knechtschaft erlösen.

Was ist Verhaftetsein? Verhaftetsein ist der Tanz des äußeren Vergnügens.
Was ist Nicht-Verhaftetsein? Nicht-Verhaftetsein ist das Lied der inneren Freude.
Verhaftetsein endet in der Gefängniszelle der Frustration und der Zerstörung.
Nicht-Verhaftetsein erfüllt sich im Palast der Göttlichkeit und der Unsterblichkeit.

Ich bin ein Narr, wenn ich bewusst im Physischen lebe. Ich bin ein größerer Narr, wenn ich ständig meinen physischen Körper bewundere und verehre. Ich bin der größte Narr, wenn ich nur deshalb lebe, um die Bedürfnisse meiner physischen Existenz zu befriedigen.
Ich bin ein weiser Mensch, wenn ich weiß, dass es die Seele gibt. Ich bin ein weiserer Mensch, wenn ich mich darum kümmere, die Seele zu sehen und zu fühlen. Ich bin der weiseste Mensch, wenn ich ständig und seelenvoll, uneingeschränkt und bedingungslos für meine Seele lebe.

Wenn wir am Körper haften, werden wir in kurzer Zeit impulsiv. Wenn wir an der Lebenskraft haften, werden wir in kürzester Zeit explosiv. Wenn wir am physischen Verstand haften, werden wir in kürzester Zeit destruktiv.
Wenn wir jedoch unverhaftet im Körper sind, fühlen wir bewusst unser strebendes Bewusstsein. Wenn wir unverhaftet in der Lebenskraft sind, dehnen und weiten wir unser strebendes Bewusstsein aus. Wenn wir unverhaftet im Verstand sind, erfüllen wir unser unbegrenztes Bewusstsein hier auf der Erde in erhabenster Weise.

Leider glauben viele Menschen, Verhaftetsein und Hingabe seien dasselbe. Doch Verhaftetsein bedeutet, dass wir im Endlichen sind und am Endlichen haften, und Hingabe bedeutet, dass wir uns dem Unendlichen ergeben und durch das Unendliche befreit werden.

Nicht-Verhaftetsein wird missverstanden. Wir glauben, jemand, der nicht verhaftet ist, sei gleichgültig. Spirituelle Sucher begehen denselben Fehler, wenn sie glauben, man müsse jemandem äußerste Gleichgültigkeit bis zur vollständigen Vernachlässigung zeigen, wenn man von diesem Menschen ungebunden sein wolle. Dies ist nicht wahr. Wenn wir jemandem gegenüber wirklich gleichgültig sind, tun wir nichts für ihn. Wir haben mit seiner Freude oder seinem Leid, seinen Errungenschaften oder seinen Misserfolgen nichts zu tun. Doch wenn wir wirklich nicht verhaftet sind, arbeiten wir hingebungsvoll und selbstlos für ihn und legen die Ergebnisse unserer Taten dem höchsten Herrn, unserem inneren Lenker, zu Füßen.
Es spielt keine Rolle, ob das Ergebnis ein Erfolg oder ein Misserfolg ist. Wenn wir nicht am Ergebnis haften, werden wir unser Bewusstsein unmittelbar ausdehnen. Wenn wir uns nicht um die Frucht unserer Tat kümmern, wird uns Gott auf Seine eigene göttliche Weise belohnen. Krishna sagte: „Du hast das Recht zu handeln, doch du hast kein Recht auf die Früchte deiner Handlung.“ Die Upanishaden verkünden: „Tat klammert sich nicht an den Menschen.“

Wenn wir hingebungsvoll uns selbstlos arbeiten, bindet uns die Tat nicht. Wenn wir uns nicht um das Ergebnis unserer Arbeit kümmern, werden wir ohne Schwierigkeiten Gott zuliebe arbeiten können. Dies ist wahres Nicht-Verhaftetsein; dies ist spirituelles Nicht-Verhaftetsein. Wenn wir auf die unerleuchtete, unstrebsame Tat verzichten können, treten wir in die göttliche Tat ein, die unser wirkliches Leben darstellt. Und darin ist immer Vollkommenheit und Erfüllung.

Wenn wir unsere ganze Aufmerksamkeit auf die materielle Welt richten und die innere Welt vernachlässigen, lassen wir die Seele in uns verhungern. Die Seele muss zum Vorschein gebracht werden. Es ist ein völliger Irrtum, zu glauben, wir könnten von der materiellen Welt unendlichen Reichtum erhalten. Zweifellos brauchen wir die materielle Welt, doch wir können nicht alle unsere Energien darauf richten. Wir nähren unseren Körper dreimal täglich. Leider haben wir keine Zeit, unsere Seele auch nur einmal am Tag zu nähren. Wir Sucher nach der unendlichen Wahrheit nähren den Körper, damit wir vollkommene Instrumente der Seele werden können.

Die Seele besitzt Göttlichkeit, Ewigkeit und Unsterblichkeit. Die Seele will ihre Welt dem Körper weitergeben. Wenn der Körper empfänglich wird, wird er alles empfangen, was ihm die Seele anzubieten hat. Er wird die Seele als demütiger Diener begleiten. Seine Existenz wird die Existenz der Herrlichkeit und der Göttlichkeit, des göttlichen Dienstens und der erhabenen Erfüllung.


Wir erfüllen Gott hier auf der Erde.
Er kümmert sich um uns im Himmel Seines Herzens.