Versagen

Wie kann ich meine Furcht vor dem Versagen überwinden?

Sri Chinmoy: Sie müssen wissen, was Versagen bedeutet und was es in der Lage ist zu tun. Die Furcht wird Sie zweifellos verlassen, wenn Sie wissen, dass Scheitern nichts schändliches, schädliches, destruktives oder schmerzhaftes ist. Fühlen Sie, dass Scheitern etwas normales ist. Wenn ein Kind laufen lernt stolpert und stürzt es häufig, aber es hat nicht das Gefühl, dass Stolpern Versagen bedeutet. Es glaubt, es sei ein natürlicher Prozess für einen Moment aufzustehen und dann wieder hinzufallen.
Wenn Sie Ihr Versagen in diesem Licht betrachten, als etwas, das der Wirklichkeit Form und Gestalt gibt und zur Wirklichkeit selbst wird, statt es als etwas zu betrachten, das der Wirklichkeit entgegensteht oder völlig von ihr getrennt ist, dann kann keine Furcht entstehen. Wir verstehen Versagen als etwas, das unserer Erwartung und unserer Gottverwirklichung zuwiderläuft. Aber Versagen läuft unserer Gottverwirklichung nicht zuwider. Versagen ist etwas, das unseren Drang nach Gottverwirklichung vergrößert. Was wir Scheitern nennen, ist in Gottes Augen nur eine Erfahrung.
Betrachten Sie jedes Scheitern als Erfahrung. Begreifen Sie es nicht als fertiges Produkt oder als Höhepunkt einer Erfahrung, sondern eher als den Prozess einer Erfahrung. Sie begehen einen Fehler, wenn Sie meinen, das Scheitern sei der Endpunkt Ihrer Erfahrung. Ein Läufer mag in einem Langstreckenrennen langsam beginnen, doch er erhöht sein Tempo nach und nach und erreicht schließlich sein Ziel. Er macht einen fürchterlichen Fehler, wenn er meint, das Ziel sei unerreichbar, nur weil er langsam gestartet ist. Ohne jedes Scheitern laufen Sie natürlich am allerschnellsten. Wenn Sie aber einmal Scheitern sollten, betrachten Sie es als Erfahrung, die gerade erst beginnt. Am Ende der Erfahrung wird der Erfolg stehen. Und wer wird dann noch behaupten, sie hätten versagt?


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