Gott

Was ist Gott und was ist die Beziehung zwischen Gott und Mensch?

Sri Chinmoy: Gott und der Mensch – das ist die ewige Frage und die ewige Antwort. Gott ist der lebendige Atem und dieser lebendige Atem ist der Mensch. Der Mensch hat ein Ziel und der Name dieses Ziels ist Gott.


Warum sprechen Sie von Gott im Maskulinum?

Sri Chinmoy: Wenn ich „Vater“ sage, schließe ich die Mutter nicht aus. Gott ist sowohl männlich als auch weiblich. Der Begriff Vater ist lediglich in der westlichen Welt geläufiger, weil Christus immer vom Vater sprach. Ich benutze deshalb den Begriff Vater, weil er Ihnen vertraut ist. Im Osten beten wir sehr häufig den weiblichen Aspekt an. Wir denken an die Höchste Göttin, die Göttliche Mutter. Andererseits ist Gott weder männlich noch weiblich. Er transzendiert beides. Er ist, was Er auf ewig ist: Seine Schau und Seine Wirklichkeit. Diese Wirklichkeit transzendiert die männliche und die weibliche Form und verkörpert zugleich sowohl das männliche wie auch das weibliche.


Wie kann man Gott gefallen?

Sri Chinmoy: Wie man Gott gefallen kann? Ich kann Gott gefallen, indem ich Ihm darbringe was ich habe und was ich bin. Was ich habe ist Dankbarkeit. Was ich bin ist Inspiration. Wenn ich Ihm noch mehr gefallen will, darf ich mein Leben niemals als trauriges Versagen betrachten, sondern als ständige Erfahrung Seiner selbst. Wenn ich Ihm am allermeisten gefallen will, nicht nur in einem sondern in jedem Aspekt meines Lebens, dann muss ich fühlen, dass Er mein inneres und äußeres Leben - anders als ich es tue - als Lied Seines eigenen Lebensatems betrachtet und als Lied Seiner eigenen Vervollkommnung, die in Seine absolute und vollkommene Vollkommenheit hineinwächst.


Wenn Sie davon sprechen Gott von Angesicht zu Angesicht zu sehen, was ist dabei Ihre Vorstellung von Gott?

Sri Chinmoy: Gott ist Form und Er ist formlos. Er besitzt Eigenschaften und ist frei von Eigenschaften. Wenn ein Mensch Gott als unendliche Ausdehnung von Licht und Glückseligkeit sehen will, wird Gott zu dieser Person als unendliche Ausdehnung von Licht und Glückseligkeit kommen. Aber wenn jemand Gott als überaus strahlendes lichtvolles Wesen sehen will, dann wird Gott in dieser Form zu ihm kommen.


Wie haben Sie Gott erfahren?

Sri Chinmoy: Ich habe Gott in der persönlichen wie auch in der unpersönlichen Form erfahren. In diesem Augenblick sehe ich Ihn als eine Ausdehnung von Licht und Wonne. Im nächsten Augenblick nimmt Er vielleicht die Form eines sehr hell strahlenden Wesens an. Wenn wir das Höchste verwirklichen, sehen wir, dass Er gleichzeitig persönlich und unpersönlich ist. Wie Wasser und Eis kann Er mit oder ohne Form sein. Einmal ist Wasser flüssig, und wir können darin schwimmen. Ein andermal ist es fest, und wir können darauf gehen. Im spirituellen Leben haben wir manchmal den unpersönlichen Aspekt des höchsten Absoluten am liebsten, und manchmal haben wir den persönlichen Aspekt am liebsten. Das Höchste ist jenseits von persönlich und unpersönlich, aber gleichzeitig verkörpert Es beides. Das Höchste ist formlos und gleichzeitig hat Es Form. Wenn wir in einem Wort ausdrücken müssen, was Es ist, müssen wir sagen, dass Es beides ist und gleichzeitig jenseits von beidem ist. Wir können Gott mit dem menschlichen Verstand nicht erfassen. Am Anfang ist Es das eine - dann ist Es das andere. Dann kommt eine Zeit, wo Es jenseits von beidem ist. Das Höchste, der „Supreme“, ist die ewig sich transzendierende Wirklichkeit. Das Jenseits von heute ist der Ausgangspunkt von morgen.


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